Maβnahmen zur Sensibilisierung funktionieren am Besten, wenn sie gezielt eingesetzt werden. Genau das macht die Fernsehsendung „Bad Words“ (serbisch: Ružne Reči): sie spricht Kinder an – diejenigen, die den größten Wandel in der Gesellschaft bewirken können, indem sie den Teufelskreis von Diskriminierung und Vorurteile durchbrechen.

Bad Words ist eine Kindersendung, die seit 2017 auf Radio Television Serbien ausgestrahlt wird. Inspiriert von der jugoslawischen Kindersendung Poletarac aus den 1970er Jahren, zielt sie darauf ab, Stereotype zu hinterfragen und soll zeigen, dass alle Kinder die gleichen Wünsche, Ängste und ähnliche Einstellungen teilen. Die Sendung beleuchtet in 30 Episoden sogenannte „böse Worte“ und ihre Alternativen, während nebenbei verschiedene soziale Themen angeschnitten werden. Die Sendung ist zweisprachig, d.h. Rom*nja und Nicht-Rom*nja Schauspieler*innen sprechen sowohl Serbisch als auch Romani. Zudem sind Untertitel in der jeweiligen Sprache verfügbar.

Die TV-Show wurde mit Unterstützung der deutschen Zusammenarbeit im Rahmen des Regionalprojekts „Soziale Rechte vulnerabler Bevölkerungsgruppen“ sowie mit Hilfe des Programms „Migration für Entwicklung“ (PME) und „Reform der beruflichen Bildung in Serbien“ (VET) entwickelt. Sie wurde von „Art Akcija“ aus Belgrad produziert. Boban Sekrlić entwickelte das Konzept und ist Drehbuchautor und Regisseur.

Seit kurzem ist die Show in digitalem Format bei dem Webauftritt von RTS verfügbar. Dadurch ist sie leicht zugänglich und kann ein breiteres Publikum erreichen. Mitarbeitende des regionalen Projekts zur Achtung der Menschenrechte benachteiligter Bevölkerungsgruppen, das inzwischen in der zweiten Phase ist, befassen sich außerdem mit Möglichkeiten der weiteren Bekanntmachung sowie Ausstrahlung der Sendung und des Gesamtkonzeptes im Westbalkan.

Die Tatsache, dass „Bad Words“ jetzt online verfügbar ist, veranlasste uns, auf den Entstehungsprozess der Show zurückzublicken. Deshalb sprachen wir mit Sanja Radović von „Art Akcija“, der Produktionsfirma der Sendung, und Boban Sekrlić, dem Drehbuchautor.

Wie war der Entstehungsprozess der Fernsehserie „Bad Words“ und wie liefen die Dreharbeiten? Was macht die Serie aus Ihrer Sicht so besonders?

Boban Sekrlić: „Wenn der Entstehungsprozess abgeschlossen ist, wird jeder Dreh durch die jeweilige Arbeitsatmosphäre in Erinnerung bleiben. Unsere Arbeitsatmosphäre beim Dreh, bei dem viele Kinder zum ersten Mal vor der Kamera standen, mit keinen leichten Aufgaben und mit gleichzeitiger Kommunikation in zwei Sprachen, mag in manchen Momenten etwas chaotisch gewirkt haben. Aber in jedem Moment, wohin auch immer man schaute, konnte man ein Lächeln sehen und das Gekicher der Kinder hören, wenn sie sich gegenseitig neue Wörter beibrachten, sich in der Aussprache oder im Schauspiel übten. Wir konnten sehen, wie unsere Träume wahr wurden; wie das, was wir uns als Ergebnis der Dreharbeiten zu der Serie erhofft hatten, Wirklichkeit wurde. Freundschaften zwischen Kindern wurden frei von allen Hürden und Vorurteilen geschlossen.

Die Tatsache, dass wir die Idee umsetzen und „Bad Words“ drehen konnten, ist für das Regie- und Produktionsteam vor allem persönlich und natürlich auch beruflich wichtig – gerade wegen des Grundgedankens, mit dem die Geschichte begonnen hat. Wir glauben aufrichtig daran, dass es für die Gesellschaft, in der wir leben, wichtig ist. Das Publikum sollte jedoch davon erzählen. Wir denken, dass die Mitwirkung an der Serie für alle Kinder, die Teil des Prozesses waren, von enormer Bedeutung war. Die Tage des Filmens und des Socializing legten dauerhaft den Grundstein dafür, dass sie das Andere sowie Fremde auf der Grundlage von Liebe, Verständnis und Toleranz akzeptieren. Sie haben ein klares Bild davon bekommen, wie sehr böse Worte und Taten, welche diese Worte normalerweise begleiten, jemand anderen verletzen können. Wenn es uns auf diese Weise gelungen ist, wenigstens einen Teil des Publikums, das die Serie gesehen hat, zu erreichen und zu berühren, glauben wir, dass wir etwas Bedeutsames erreicht haben.“

Wenn man bedenkt, dass die Fernsehserie wiederholt im nationalen Fernsehen RTS ausgestrahlt wurde, was halten Sie dann von der Tatsache, dass RTS diesen Inhalt auf die Online-Plattform RTSplaneta gestellt und einen leichteren Zugang der Öffentlichkeit zu dem Inhalt ermöglicht hat?

Sanja Radović: „Das Internet ist für viele Kinder längst zu einem Spielplatz geworden, auf dem sie gerne einen Großteil ihrer Zeit verbringen. Deshalb ist es ein guter Weg, um sie zu erreichen, wenn man ihnen etwas beibringen oder sie einfach nur sehen und hören oder ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen möchte. Einige Untersuchungen haben ergeben, dass es eine wachsende Zahl von Inhalten gibt, die für Kinder im wirklichen Leben erst dann an Bedeutung gewinnen, nachdem sie online gesichtet wurden. Aus all diesen Gründen haben wir uns über die Nachricht gefreut, dass „Bad Words“ nun auch online verfügbar ist. Außerdem gibt es uns die Möglichkeit, unbegrenzt von einem breiteren Publikum unterschiedlichen Alters und außerhalb Serbiens erreicht zu werden. Wir sprechen in erster Linie von den Ländern der Westbalkan Region aufgrund der Sprache, aber auch auf Kinder und Erwachsene in der Diaspora auf der ganzen Welt, die Serbisch und/ oder Romani sprechen oder sich auf andere Weise verbunden fühlen.

Denn obwohl die Hauptziele der Sendung darin bestanden, die bestehenden Vorurteile und Stereotype gegenüber der Roma-Minderheit in Serbien abzubauen und gleichzeitig ihre Identität und Kultur zu bewahren, ist es uns bewusst, dass diese Gruppe in den Nachbarländern mit ähnlichen Problemen konfrontiert ist. Deshalb denken wir, dass es klug ist, mit Kindern zu kommunizieren, bevor sie durch Vorurteile der Erwachsenen „vergiftet“ werden, und so zumindest ein wenig die Chancen zu erhöhen, die Grundlagen für starke Gesellschaften zu schaffen, in denen es keine „bösen Worte“ gibt.“

Die Produktion der TV-Show wurde, neben der GIZ, vom Ministerium für Kultur- und Informationspolitik der Republik Serbien, von der Hemofarm Stiftung und RTS unterstützt.

Die Sendung ist unter dem folgenden Link verfügbar: https://rtsplaneta.rs/search/term/ruzne%20reci