Am 16. Juni 2018 wurde in Belgrad eine besondere Veranstaltung organisiert, eine einzigartige Messe unter dem Namen “Handarbeiten des Lebens”, die eine Ausstellung von Handarbeiten von Flüchtlingen aus Iran und Afghanistan, den Bewohnern des Aufnahmelagers in Šid, einer Stadt in Serbien, umfasste.

Insgesamt 15 Frauen nahmen an der Messe teil und zeigten ihre Arbeiten, ihren Schmuck, ihre Kleidungsstücke und Dekorationen, die sie in der Werkstatt für Handarbeiten des Zentrums hergestellt haben. Die Messe fand in den Räumlichkeiten des Sozialunternehmens Talk & Talk statt und wurde von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH im Rahmen des Projekts “Beratung und Unterstützung für Asylbewerber in Serbien und Mazedonien“ der deutschen Entwicklungszusammenarbeit organisiert. Die Nichtregierungsorganisationen, das Humanitäre Zentrum Novi Sad und die Serbische Assoziation für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte, wie auch das Kommissariat für Flüchtlinge und Migrationen der Republik Serbien leisteten Unterstützung im Rahmen der Organisation der Messe.

Die Idee der Messe war, bessere Kommunikation, Verständnis und Interaktion zu ermöglichen, wie auch die kulturelle Verschiedenheit, Solidarität und Integration zu fördern, indem man den teilnehmenden Frauen die Möglichkeit gegeben hat, sich mit den Menschen und dem Land in dem sie sich vorübergehend befinden, vertraut zu machen, aber auch sich und einen Teil ihrer Kultur vorzustellen. Die Messe hatte auch eine humanitäre Note und alle Besucher hatten die Möglichkeit, die ausgestellten Schmuck- und Kleidungsstücke und Dekorationen durch symbolische Spenden zu „kaufen“.

Zurzeit befinden sich ca. 300 Flüchtlinge im Aufnahmelager in Adaševci, die außer Iran und  Afghanistan auch aus Syrien, Irak und Afrika stammen.  Die große Mehrheit von ihnen ist auf der Durchreise durch Serbien und wartet auf die notwendigen Bedingungen, um ihre Reise in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union fortzusetzen.

Das Zentrum befindet sich in einem ehemaligen Hotel in der Nähe der Autobahn nach Kroatien. Es ist ziemlich isoliert und die Bewohner des Zentrums haben nicht oft die Möglichkeit das Zentrum zu verlassen, oder ihre Zeit selbst zu organisieren und etwas zu tun, was ihre Lage positiv beeinflussen und ändern könnte.  Aus diesem Grund sind Aktivitäten wie die Nähwerkstatt so wertvoll. Neben dieser Werkstatt wurden im Zentrum auch mehrere andere organisiert, wie  “Lernen wir Europa kennen” oder “Alles über Wiederverwertung“, als auch verschiedene  Kurse, wie z.B. Sprachkurse, Hausmalereikurse usw. Daneben wurden zahlreiche Sport- und Freizeitaktivitäten organisiert, an denen die Bewohner des Zentrums sehr gerne teilgenommen haben, da sie ihnen die Möglichkeit bieten, sich zu sozialisieren, Erfahrungen und Lebensgeschichten auszutauschen.

Die Nähwerkstatt hat Frauen und Männer umfasst, die sich für kreative Arbeit interessieren. Die Idee der Werkstatt war, den Flüchtlingen die Möglichkeit zu bieten, ihre Talente und Fertigkeiten zu erkennen und zu entwickeln und gleichzeitig ihr alltägliches Leben zu bereichern.

Eines der Mädchen, das die Werkstatt regelmäßig besuchte und auch an der Messe teilgenommen hat, sagt: „Ich komme aus Iran und dort habe ich an einer Nähmaschine in einem Bekleidungsunternehmen gearbeitet. Mir gefällt die Nähwerkstatt und ich glaube dass mir alles was ich hier gelernt habe nützlich sein wird.” Sie fügte auch hinzu, dass sie gern nach Deutschland gehen und dort eine ähnliche Arbeitsstelle wie in Iran finden möchte. Ihre Freundin, die auch an der Messe teilgenommen hat, würde auch gern nach Deutschland gehen. Sie sagt, dass sie dort gern ihre Schulausbildung abschließen und eine gute Arbeitsstelle finden möchte, von der sie gut leben könnte.

Die Messe erhielt großen Beifall in der Belgrader Öffentlichkeit. „Die Handarbeiten sind wirklich sehr schön. Es freut mich, die Gelegenheit zu haben helfen zu können, wenn auch nur ein wenig. Ich wünsche ihnen alles Gute“, „Eine großartige Idee, eine wundervolle Ausstellung, tapfere und kreative Frauen. Ich habe es wirklich genossen. Viel Glück, meine Damen!“, „Es war schön bei der Messe, die Kreationen sind wirklich schön“, waren nur manche von den Kommentaren, die man während dieser Veranstaltung hören und auch auf der Facebook-Seite der Veranstaltung lesen konnte.

Der Erfolg der Messe spiegelt sich auch in der Tatsache wider, dass an diesem Samstag ein Betrag von ca. 400 EUR gesammelt wurde, welcher für die künftige Unterstützung der Werkstatt im Zentrum verwendet werden soll, aber noch wichtiger sind die positiven Reaktionen und Eindrücke der teilnehmenden Flüchtlingsfrauen.


Über das Projekt:

Seit Juli 2017 führt die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH das Projekt “Beratung und Unterstützung für Asylsuchende in Serbien und Mazedonien“ im Namen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit durch. Dieses Projekt beruht auf dem starken Bedürfnis, den Asylbewerbern Zugang zu entsprechenden Informationen zu schaffen und Unterstützung im Transitzeitraum zu leisten, wie auch Mechanismen für potentielle Integration herzustellen. In diesem Kontext ist das Hauptziel des Projekts, zur Verbesserung der Position und der Aussichten der in Aufnahmezentren untergebrachten Asylbewerber und zur Implementierung von spezifischen, bedarfsorientierten und entsprechenden integrationsunterstützenden Maßnahmen beizutragen. 

Kontaktperson: Herr Michael Samec